GESCHICHTE

Zu Beginn der 70er Jahre zogen die ersten Bürger in Erfttal ein. Man nannte Erfttal damals auch Schlammtal. Wegen der vielen Mängel schlossen sich einige der ersten Bürger zu einer Initiative zusammen, die gegen die schlimmsten Missstände gemeinsam vorgehen wollten. Aus dieser Initiative entstand 1972 der Bürgerverein. Dabei hat man ausdrücklich festgehalten, dass dieser Verein nicht den Zweck hat, ein Schützenfest durchzuführen. Der Bürgerverein war ausschließlich für die Bewältigung der zahlreichen bürgerschaftlichen Probleme in Erfttal zuständig. Engagiert wurden Lösungsvorschläge erarbeitet und sich mit viel Eigeninitiative dem Aufbau von Erfttal gewidmet. Während des Neusser Schützenfestes trafen sich am Montag 27.08.1973 einige Erfttaler Bürgerinnen und Bürger bei Gerd in der Gaststätte „Zum Erfttal“ und bedauerten, dass die Majoretten aus Chalons, die damals in Neuss weilten, nicht am Neusser Schützenfest teilnehmen konnten. Dem wollte man abhelfen und beschloss, ein eigenes Schützenfest auf die Beine zu stellen. Spontan schlossen sich die Männer zu einem Sappeurzug und die Frauen zum ersten Damenzug„Blauröcke“ zusammen. In den nächsten Wochen schlossen sich die Jugendlichen dieser Gründer zusammen und gründeten den Jungenzug „Doppelhirsch“ und den Mädchenzug „Diana“. Dazu kamen die Schützengilde, Jägerzüge und ein Hubertuszug. Nach Karneval 1974 gründeten die Frauen der NKG „Blau-Rot-Gold“, deren Männer überwiegend in der Erfttaler Schützengilde und einige in den Sappeuren waren, einen weiteren Damenzug und gaben ihm den Namen des Motivwagens vom Kappessonntag, der den Eierdieb aus dem Neusser Stadtgarten darstellte: „Eierdiebe“. Von den Gründern der ersten Züge tat sich besonders die Familie Fischer hervor: Karl-Heinz leitete die Sappeure, seine Frau Karin die „Blauröcke“ und Tochter Ulrike „Diana“. Nur 50 Erfttaler Bürgerinnen und Bürger trafen sich am 10.03.1974 in der Gnadentaler„Ginsterecke“ zur Gründungsversammlung des Schützenvereins Neuss-Erfttal und man beschloss, auch drei Monate später vom 21.06. – 24.06. das erste Erfttaler Schützen- und Sommerfest gemeinsam mit dem Bürgerverein zu feiern und dazu die Majoretten aus Chalons einzuladen. Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: Vorsitzender und Oberst wurde Hans-Josef Schliebs, der auch gleichzeitig Präsident der NKG „Blau-Rot-Gold“ war und gute Beziehungen zu Musikcorps und Schaustellern unterhielt. Geschäftsführer wurde Reinhard Radermacher, Erfttaler Stadtverordneter und Vorsitzender des Bürgervereins. Kassierer wurde Heinz Sahnen, der heutige Erfttaler Stadtverordnete und Neusser Landtagsabgeordnete. Schießmeister wurde Ludwig Spicker, der sofort seines Amtes walten konnte, denn nach der Versammlung fand noch ein Schießwettbewerb statt.

Adjutant des Obersten wurde ein Italiener, Bruno Arnesano, der Wirt der Eisdiele.

Das erste Königsschießen fand im April im Haus Vater Rhein in Grimlinghausen statt. Bis zum ersten Schützen- und Sommerfest wuchs das Regiment auf 142 aktive Schützen an. Leider verstarb drei Wochen vor dem Schützenfest der Zugführer des Hubertuszuges Leo Hagedorn. Dennoch sollte das Fest gefeiert werden. Schausteller, Zeltwirt und Musikcorps waren verpflichtet worden, viele Paten- und Gastzüge aus anderen Neusser Stadtteilen und die Majoretten aus Chalons waren eingeladen worden. Erfttal hatte auch ein eigenes Wappen bekommen. Dieses wurde vom Vorsitzenden des Bürgervereins Reinhard Radermacher und dem Vorsitzenden des Schützenvereins am Ortseingang von Erfttal zum Beginn des Schützenfestes enthüllt und dort steht es noch heute. Über 500 Teilnehmer marschierten bei der Parade vorbei an dem ersten Erfttaler Schützenkönig und damaligen Oberst Hans Strerath, der ersten Schützenkönigin Luise Schliebs, dem ersten Jungschützenkönig Frank Radermacher, der ersten Jungschützenkönigin Marion Werther und zahlreichen Ehrengästen, darunter die Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, Bundestagsabgeordneter Josef Rommerskirchen, Oberbürgermeister Herbert Karrenberg und Oberstadtdirektor Franz-Josef Schmitt. Unvergessen bleibt, wie unser allseits beliebter Oberbürgermeister Herbert Karrenberg Kirmesgeld an die Erfttaler Kinder verteilte. Oder wie er beim Empfang vor der Parade in der Schule nur einen Blumenstrauß für zwei Könige mitbrachte, diesen dann teilte und aussprach: „In Erfttal ist alles anders.“ 1976 schlossen sich der Bürgerverein und der Schützenverein zusammen, da der Bürgerverein immer kleiner, der Schützenverein immer größer wurde und die meisten Bürger auch im Schützenverein aktiv waren. Danach hieß das Fest Bürger- und Schützenfest. Erster Präsident wurde der Vorsitzende des Bürgervereins Reinhard Radermacher. Der Vorstand umfasste 14 Personen, neben dem Präsidenten und dem Obersten Hans-Josef Schliebs waren darin: Dr. Helmut Alex, Bruno Arnesano, Günter Dierselhuis, Inge Prepens, Werner Reiter, Eduard Rottmann, Heinz Sahnen, Horst Singel, Ludwig Spicker, Heidrun Völker, Heinz-Josef Wasiak und Hubert Wenning. 1978 löste Heinz-Josef Wasiak Reinhard Radermacher als Präsident ab und bewährte sich in diesem Amt bis 1992, ihm folgte Günter Bönewitz, der leider 1993 verstarb, als Vizepräsident übernahm Hans-Josef Schliebs den Vorsitz, 1994 hatte der Verein keinen Präsidenten, von 1995 – 1996 lenkte Günther Stohmann die Geschicke des Vereins, von 1997 – 1998 löste Peter Pollack ihn ab und 1999 übernahm Hans-Josef Schliebs das Amt des Präsidenten,

Nachdem er schon aus gesundheitlichen Gründen 1995 als Oberst von Siegfried Jozifek abgelöst worden war, der dieses Amt dann bis 2000 innehatte. 2001 übernahm Hans Strerath das Amt des Regimentschefs, ihm folgte sein Adjutant Ferdi Fleischer ab 2006 als Oberst. Bis 1983 wuchs der Schützenverein auf 480 Aktive an, die alle in Erfttal wohnten. Zum 10. Erfttaler Bürger- und Schützenfest zogen über 1.000 Marschierer über die Erfttaler Straßen.

Alleine 10 Sappeurcorps waren daran beteiligt. Von Reuschenberg ritt der Oberst Willi Hollinderbäumer neben dem Erfttaler Oberst Hajo Schliebs. Danach fingen die ersten Bau- und Eigentums- Gesellschaften an, die Erfttaler Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Innerhalb eines Jahres zog die Hälfte der Mitglieder des Vereins aus Erfttal aus, denn die Wohnungen konnten sie nicht kaufen oder sie trauten sich das nicht zu. Nachdem die ersten in anderen Neusser und Kaarster Stadtteilen bessere Mietbedingungen gefunden hatten, halbierte sich der Verein im folgenden Jahr noch mal. Doch die meisten wollten den Erfttaler Bürger- und Schützenverein und auch das Erfttaler Bürger- und Schützenfest nicht untergehen lassen.

Zwischenzeitlich wurde Günter Ludwigs, ein Erfttaler Urgestein der neue Präsident. Er führte dieses Amt gewissenhaft aus, bevor er das Amt an Günter Kirschbaum weitergab. Im Jahr 2018 wurde Frank Buchholz zum neuen Präsidenten des Bürger- und Schützenvereins Neuss-Erfttall 1973 e.V. von nur noch rund 70 Mitgliederinnen und Mitgliedern gewählt.

Einige Unbeständigkeiten, was bestimmte Positionen im Komitee betraf, waren zu bewältigen und wurden durch das neue Komitee gelöst, Seit 2018 haben sich unter anderem ein Hubertuscorps, zwei Damenzüge neuformiert und eine Reitergemeinschaft gegründet, jedoch auch das Reiter- und Amazonencorps uns leider aufgrund von Mitgliederzahlen verlassen musste, so dass nun heute voller Stolz auch von über 120 Mitgliedern gesprochen werden kann.

Das aktuelle Komitee verfolgt dabei besonders das Ziel, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, weiter herzustellen und Kontakte und Freundschaft zu außenstehenden Vereinen zu mobilisieren.

So besuchen auch verschiedene Vereine aus umliegenden Stadtteilen und eine Vielzahl von Gastzügen, unser kleines beschauliches und familiäres Schützenfest.

Die steigenden Besucherzahlen sind Ansporn für eine erfolgreiche Zukunft des Bürger- und Schützenvereins Neuss-Erfttal 1973 e.V..

Das Komitee